Gesellschaft

Einer der Letzten seiner Art

Paul-Moritz Friedrich
Lesezeit 10 Minuten
Portrait von Gerhard Hahn in der Werkstatt

Hahn in der Werkstatt und arbeitet an einem Kundenauftrag

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Erfahren, ehrlich und mit voller Hingabe – und das seit über 50 Jahren: Büchsenmacher Gerhard Hahn hält ein aussterbendes Gewerbe am Leben.
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Aus der Leidenschaft wurde sein Leben

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Gerhard Hahn bei der Arbeit in der Werkstatt
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Es riecht nach Metall, Holz und Öl. Eine Mischung, die seit über 50 Jahren Gerhard Hahns Alltag als Büchsenmacher prägt. Schon mit zwölf Jahren hat der heute 65-Jährige seine Liebe zur Technik und zum Schießen entdeckte. Durch einen persönlichen Kontakt kam er später zufällig zur Lehrstelle in Koblenz. Heute führt er einen der wenigen Betriebe einer Branche, die schrumpft: Laut dem Statistischen Bundesamt gab es 2023 noch 279 Büchsenmacherbetriebe in Deutschland.

Millimeterarbeit mit Verantwortung

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Hahn beim Einstellen eines Zielfernrohres
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Die Reparatur eines Jagdgewehrs ist Millimeterarbeit. Hahn sagt, Büchsenmacher leisteten „einen Beitrag zum aktiven Tierschutz“, denn nur ein präzises eingestelltes Gewehr ermögliche einen waidgerechten Schuss. Jeder Fehler könne Leid verursachen. Für Hahn ist das einer der wichtigsten Werte seines Berufs.

Leander – ein Quereinsteiger fürs Handwerk 

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Hahn gibt all sein Wissen an Hader weiter.
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Leander Hader ist Umschüler und Nachwuchskraft, einer der wenigen, die dieses beinahe verschwindende Handwerk weiterführen wollen. Er kann auf eine Berufserfahrung von mehr als 25 Jahren zurückblicken und hat als Marketingleiter in der Industrie gearbeitet. Doch damit sei jetzt Schluss, und er wolle seiner Leidenschaft nachgehen. Er steht stellvertretend für die wenigen jungen Menschen, die sich für dieses Handwerk entscheiden. 

Das Bundesinstitut für Berufsbildung berichtet: Nur 57 Auszubildende und 24 neue Ausbildungsverträge gab es 2023 im gesamten Berufsfeld des Büchsenmachers. Das sind gerade einmal 0,0006 Prozent aller Ausbildungsverträge in Deutschland. Die Erfolgsquote hingegen liegt bei 100 Prozent (BIBB). Wer diesen Beruf ergreife, tue es aus Überzeugung und Leidenschaft. Hahn habe gerade gut zu tun, aber der aktuelle Bedarf der Kundschaft werde durch die vorhandenen Büchsenmacher gedeckt: „Der Markt ist momentan gesättigt.“

Ein Handwerk, das kaum noch jemand praktiziert

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Eine dreiläufige Flinte
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Eine Flinte mit Seitenschlössern, ein System, das heute kaum noch jemand baue. Viele Teile, Hähne, Abzüge, Verschlüsse, werden noch immer einzeln geschliffen und angepasst. In Suhl (Thüringen) befinde sich heute eine der bekanntesten Berufsschulen für Büchsenmacher. Hahn rät jungen Leuten, die diesen Beruf erlernen wollen, sich keinen „Kaufladen, sondern eine Büchsenmacherei“ zu suchen, denn viele Betriebe seien nur noch auf den Handel von Waffen konzentriert. Und das traditionelle Handwerk des Büchsenmachers würde gar nicht mehr praktiziert werden. Doch Hahn restauriert weiterhin historische Waffen. „Ein Stück Geschichte wird für die Nachwelt erhalten“, sagt er.

Der Büchsenmacher mit dem ehrlichen Wort

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Hahn mit einem Kunden auf der Schießbahn
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So erleben ihn seine Kunden: aufmerksam, humorvoll und souverän. Ein langjähriger Kunde berichtet: „Ich wollte mir ein sehr teures Zielfernrohr kaufen, aber Gerhard meinte, dass ich das nicht kaufen brauche, und dass eh nichts taugt, er würde meins wieder repariert bekommen.“ So schätzen ihn auch seine Kunden immer für sein ehrliches Wort, seine gesammelte Erfahrung und Gelassenheit. Seit Hahns Meisterprüfung 1983 begleitet ihn dieselbe Begeisterung für Mechanik und Präzision.

Erfahrung, die den Unterschied macht

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Hahn bei der Arbeit in der Werkstatt an einem Zielfernrohr
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Hahn arbeitet mit einer Ruhe, die nur durch Erfahrung entsteht. Jeder Handgriff zeigt das Zusammenspiel aus Materialgefühl, technischem Verständnis und Verantwortung. In seinem Beruf ist Präzision unverzichtbar: „Wenn ich ein Gewehr präzise herrichte, dann braucht der Jäger einen einzigen Schuss. „Während die Zahl der Betriebe sinkt, steigen die Umsätze pro Betrieb leicht an, ein Zeichen für Konsolidierung und Spezialisierung. Laut Statista wächst auch die Zahl der Jagdscheininhaber: von 391.000 im Jahr 2019 auf rund 408.000 im Jahr 2023. Hahn sagt, dieser Anstieg gleiche lediglich die Verluste durch verstorbene Jäger aus.

Ohne sie geht hier nichts

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Hannelore unterstützt ihren Mann in allen organisatorischen Belangen
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Hinter dem Schreibtisch beginnt ein anderer, oft unsichtbarer Teil des Betriebs: die Büroarbeit. Hannelore organisiert Unterlagen, Genehmigungen, Bestellungen und rechtliche Abläufe. Für Gerhard Hahn ein unverzichtbarer Beitrag, denn seit 2020 sind auch Büchsenmacher zur elektronischen Datenverarbeitung verpflichtet: „Ohne meine Frau hätte ich den Laden hier 2020 zugemacht.“

Der Praxistest jeder Reparatur

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Hahn beim Einschießen eines Gewehre auf der Schießbahn
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Auf der Schießbahn zeigt sich, ob die Arbeit in der Werkstatt stimmt. Hahn schießt für seine Kunden die Waffen ein, beobachtet jeden Schuss und prüft die Reaktion der Waffe. Es geht nicht nur um Funktion, sondern um Vertrauen. Der Kunde verlässt sich darauf, dass Hahn alles perfekt eingestellt hat. 

Wo jedes Teil seinen Platz hat

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Hahn vor dem Lager für Kleinteile
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Viele kleine Schubladen, gefüllt mit Federn, Schrauben und Stiften, jedes Teil hat hier seinen Platz. „Es gibt jeden Tag neue Herausforderungen“, sagt Hahn. Dieses System aus Ordnung und Erinnerungsvermögen ist sein stilles Archiv.

Ein Arbeitsplatz mit eigener Logik

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Hahn hat seine eigene Ordnung
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Die Werkbank ist über Jahrzehnte gewachsen, ein geordnetes Chaos, das nur er vollständig versteht. Wie er im Gespräch erklärt, gehören zu seinem Beruf Tätigkeiten, die heute nicht mehr jeder Betrieb ausführen kann: „Der Büchsenmacher sollte in der Lage sein, Waffen wieder zur Funktion zu bringen.“

Am Ende zählt der Schuss

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Auf der Schießbahn ist Hahn am liebsten
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Hahn steht im gedämpften Licht der Schießbahn, warm eingepackt, denn es ist sehr kalt, der Gehörschutz über den Ohren. Sein Gesicht ist entspannt und zufrieden – für ihn liegt hier ein entscheidender Moment. Freitags ist Hahn immer auf der Schießbahn, denn: „Hier merkt man sofort, ob etwas passt oder nicht“. An einer Waffe muss Hahn nächste Woche in der Werkstatt noch nacharbeiten, aber jetzt ist erst mal Wochenende, und er freut sich auf freie gemeinsame Stunden mit seiner Frau.

Ein Artikel von

Paul-Moritz Friedrich