Gesellschaft

Architekt virtueller Welten

Sara Schramm
Lesezeit 5 Minuten
Martin Rieger blickt durch eine VR-Brille.

Die VR-Brille ist eines der wichtigsten Werkzeuge des Gestalters für immersive Medien.

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Bauen ohne ausgebildeten Architekten? In der virtuellen Welt lange Realität. Ein Porträt über den neuen Beruf des Gestalters für immersive Medien.
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„Ich bin ein lebendes Beispiel dafür, dass es auch ohne Ausbildung funktionieren kann“, sagt Martin Rieger. Er ist Experte für 3D-Audio und Pionier in einem Feld, das sich noch immer im Aufbau befindet. Seit zehn Jahren vertont er immersive Medien, also Anwendungen, die virtuelle Umgebungen und digitale Elemente so erlebbar machen, dass sie für den Nutzer möglichst real wirken. Den Weg dorthin musste er sich jedoch mühsam erarbeiten. Eine Ausbildung oder feste Regeln gab es damals nicht, nur Learning by Doing. Heute sieht er diesen Weg kritisch: „Man hat oft nicht die Zeit, sich diese Grundlagen so aufzubauen, wie man es eigentlich machen müsste.“ Genau diese Lücke soll nun ein neuer Beruf schließen: der Gestalter für immersive Medien. 

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Martin Rieger blickt in die Kamera und hält eine VR-Brille in der Hand.

In seinem Tonstudio in München-Moosach vertont Martin Rieger immersive Medien.

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Während die Technik in den vergangenen 15 Jahren rasant voranschritt, hinkte die Ausbildung lange hinterher. Neue Brillen drängten auf den Markt, und neue Anwendungen wurden entwickelt. Egal, ob im Autodesign, beim Möbelkauf oder im Denkmalschutz. In allen Lebensbereichen kommen die immersiven Medien, dazu gehören Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), Mixed Reality (XR) und 360-Grad-Anwendungen, zum Einsatz. Doch obwohl es an Innovationen nicht mangelte, fehlte es an den Köpfen, die sie bedienen konnten. „Wir brauchen Leute, die mit dem Medium umgehen können“, habe die Branche um Rieger gefordert. 2020 reagierte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) schließlich und startete die Entwicklung eines neuen Berufsbildes. Am 1. August 2023 wurde dann der „Gestalter für immersive Medien“ offiziell als Ausbildungsberuf anerkannt.

Doch was genau macht ein Gestalter für immersive Medien eigentlich den ganzen Tag? Er ist hauptsächlich Architekt der virtuellen Welten seiner Kunden und stellt für diese Bild- und Tonaufnahmen sowie 3D-Modelle und Animationen her. Von der ersten Idee bis zur fertigen Anwendung begleitet er den gesamten Produktionsprozess. Im Team übernimmt er dabei eine Schlüsselrolle: Er sorgt dafür, dass Bild, Ton und Technik am Ende zu einem stimmigen Gesamterlebnis zusammenfinden und den Vorstellungen der Kunden entsprechen (siehe Abbildung). Rieger sieht im Gestalter für immersive Medien einen flexiblen Allrounder, der schnell auf Trends reagieren und unabhängig von Brillen und Formaten arbeiten könne. Er verfüge über ein Grundverständnis für immersive Technologien und vereine viele Elemente aus verschiedenen Disziplinen. 

Rieger war aufgrund seiner Expertise im Bereich der immersiven Audioproduktion an der Entwicklung des neuen Berufsbildes beteiligt. „Das läuft leider nicht so gut an, wie wir uns das erhofft hatten“, sagt er in Bezug auf dessen Entwicklung. Denn obwohl die Branche einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften angemeldet hat, bewegen sich die Ausbildungszahlen derzeit auf einem niedrigen Niveau. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wurden im Jahr 2024 lediglich rund 60 Ausbildungsverhältnisse verzeichnet. Rieger vermutet mehrere Gründe hinter der bisher verhaltenen Nachfrage. 

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Martin Rieger blickt in die Kamera. Neben ihm befindet sich ein Mikrofon.

Martin Rieger hat die Fortbildung der Berufsschullehrer im Bereich der immersiven Audioproduktion durchgeführt.

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Einen Grund sieht er in der mangelnden Bekanntheit. Seiner Meinung nach wird zu wenig dafür geworben: „Am Ende gibt es vielleicht ein, zwei Handvoll Leute, die die Werbetrommel rühren für diesen Beruf. Dann braucht man sich nicht wundern, dass die Rücklaufquote nicht so hoch ist, wie man es gerne hätte.“ Auch das gesellschaftliche Verständnis von immersiven Medien stellt für ihn ein Hemmnis dar. In Bezug auf VR sagt er: „Die meisten Leute kennen VR eher aus dem Gaming und denken, das ist nur so eine Technologie, die fürs Daddeln oder fürs Zocken gedacht ist. Aber dass es da auch reale Anwendungen gibt, das haben die allermeisten Leute einfach gar nicht auf dem Schirm.“ Durch das fehlende Verständnis würden Schüler nicht in Erwägung ziehen, eine Ausbildung in diesem Bereich zu beginnen. 

Trotz des anfänglichen Widerstandes ist Rieger überzeugt, dass der Beruf an Bedeutung gewinnen wird. Er führt die schleppende Entwicklung auch auf eine typisch deutsche Zurückhaltung gegenüber Innovationen zurück. Der tatsächliche Bedarf sei jedoch enorm. Von Startups über den klassischen Mittelstand bis hin zu Konzernen würden Fachkräfte gebraucht. Für Rieger steht fest: „Je mehr Leute diesem Beruf nachgehen, desto klarer wird: Da kann man wirklich sein Geld mit verdienen, und das ist nicht nur heiße Luft.“

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Eine VR-Brille liegt auf einem Tisch.

Erst durch die VR-Brille kann der Gestalter für immersive Medien vollständig in seine erzeugten virtuellen Welten eintauchen und sie zum Leben erwecken.

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