Licht und Schatten der Bühnenmaler
Sarah Frei hält den Farbeimer, aus dem zuvor Farbe in ein anderes Gefäß umgefüllt wurde, während Pascale Piel mit einem Pinsel den Rand des Eimers säubert.
Michele Scapicchio
Bühnenmalerin Pascale Piel in der Malerhalle der Wuppertaler Bühnen.
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Viele Theater haben ihre Werkstätten verkleinert oder ausgelagert, dazu werden immer mehr Produktionen digital gestaltet. Die Folge: weniger Ausbildungsplätze, weniger Nachwuchs. „Es werden weniger Theatermaler ausgebildet, weil es weniger Stellen gibt“, sagt Pascale. Für sie bedeutet das konkret: Menschen wie sie werden seltener, und damit verschwindet ein Teil des handwerklichen Bühnenbilds und ein Stück Theaterkultur. Wie sie selbst in diesen Beruf gekommen ist, erzählt sie später noch. Jetzt steht erst einmal die Arbeit an.
Bühnenmalerin Pascale Piel grundiert eine Leinwand. Mit konzentriertem Blick trägt sie die erste Farbschicht auf, während im Hintergrund die Werkstatt mit Farben und Werkzeugen ihren Arbeitsalltag sichtbar macht.
Michele Scapicchio
Pascale mischt Farben an, probiert Texturen aus und beginnt, Grundierungen aufzutragen. Sie arbeitet aktiv am Entwurf der Bühnenbildnerinnen und Bühnenbildner mit und setzt deren Ideen in malerische Oberflächen um. Digitale Skizzen werden durch ihre Arbeit zu realen Strukturen. Die Umsetzung findet auf großen Leinwänden, Holzplatten oder direkt an dreidimensionalen Requisiten statt.
Pascale Piel spannt eine Leinwand mit der Nagelpistole auf den Rahmen.
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„Ich finde es großartig, Kunst und Handwerk zu vereinen“, sagt sie, während sie eine neue Leinwand mit einer Nagelpistole auf den Holzrahmen spannt. Der Stoff soll festsitzen. Das ist nicht so einfach, wie es aussieht. Die Spannung muss stimmen, sonst bleibt die Oberfläche später unruhig.
Wenn Pascale ein Motiv vergrößert, legt sie zuerst ein Raster an. Linien, Proportionen und Maße müssen stimmen. Auf dem Tisch liegt das kleine Modell, daneben ein vorbereiteter DIN-A4-Vordruck, auf dem sie die Einteilung zunächst im Kleinen anlegt. Bevor sie das Raster auf die große Leinwand überträgt, zeichnet sie die Felder Schritt für Schritt vor. „Das hilft mir, mich beim Malen zu orientieren“, erklärt sie.
Pascale Piel spannt Fäden, setzt Nägel und arbeitet sich systematisch über die Fläche vor, um das präzise Raster anzulegen.
Michele Scapicchio
„Es gibt Bühnenbildnerinnen und Bühnenbildner, die viel Wert darauflegen, dass etwas handwerklich gemacht ist, und das sieht man auch“, sagt Pascale. Für sie wirkt eine klassisch gemalte Fläche oft lebendiger als eine digital erzeugte. Dieser Gedanke prägt auch ihre eigene Arbeitsweise. Nachdem sie das Format berechnet und das Raster im Kleinen vorbereitet hat, überträgt sie die Einteilung auf die große Leinwand. Sie spannt Fäden, setzt Nägel und arbeitet sich systematisch über die Fläche vor. So entsteht ein präzises Gitter, das ihr später beim Malen Orientierung gibt und hilft, den Entwurf exakt zu übertragen.
„Wenn Theatermaler wegfallen, fällt ein Teil des Bühnenbilds weg und damit ein Teil der Kultur“, sagt sie, ohne den Blick von der Leinwand zu nehmen. Während sie weiterzeichnet, löst sie nach und nach das Raster. Die Linienführung wird sicherer, der Aufbau klarer. Jetzt beginnt der Teil, den sie am meisten liebt: das Arbeiten mit Licht, Schatten und Tiefe. Alles nimmt Gestalt an.
Aktuell restaurieren Pascale und ihre Kollegen eine rund 30 Jahre alte Felskulisse. Sie wurde für eine Opernproduktion gebaut und über viele Jahre quer in der Welt transportiert. Die Oberfläche ist beschädigt, Kanten sind ausgebrochen. Die Farbe hat an Tiefe verloren, bevor Pascale die Struktur erneuert, füllt sie die beschädigten Stellen mit Bauschaum auf. Die Masse dehnt sich aus und schließt Risse und Vertiefungen. Sobald der Schaum fest ist, schneidet sie ihn mit einem Cutter in Form und passt die Konturen an den ursprünglichen Felsen an. Schritt für Schritt entsteht so wieder eine geschlossene Oberfläche.
Erst danach beginnt die nächste Phase der Restaurierung. Neben Pascale stehen zwei Eimer, einer mit Wasser gefüllt, einer mit in Streifen gerissenem Molton. Sie tränkt die Stoffstreifen, bis sie weich und schwer werden, und legt sie sorgfältig über die vorbereiteten Stellen. Mit ruhigen Bewegungen drückt sie den Stoff in die Vertiefungen und über die Kanten. So entsteht eine neue Haut für den Felsen, die später farblich überarbeitet wird. „Das ist einer der Momente, in denen ich spüre, warum ich diesen Beruf mache“, sagt sie. „Man rettet etwas. Man bringt es zurück auf die Bühne.“
In der Montagehalle ist die Felskulisse bereits teilweise aufgebaut. Hier entsteht ein erster Gesamteindruck des Bühnenbildes, bevor es in den Theaterraum überführt wird.
Michele Scapicchio
In der Montagehalle der Werkstatt entsteht ein erster Gesamteindruck des Bühnenbildes. Die bemalten Flächen, Requisiten und Bauteile, die zuvor bearbeitet wurden, werden hier zu einem vollständigen Raum zusammengefügt. Aus der Entfernung lässt sich erkennen, wie Farben, Übergänge und Licht miteinander wirken. Unstimmigkeiten werden an diesem Ort sofort sichtbar und können noch angepasst werden, bevor das Bühnenbild in den Theaterraum überführt wird.
In der Werkstatt stehen häufig Modelle von Bühnenbildern, oft nur so groß wie eine Schachtel. Für Pascale sind sie Wegweiser. Proportionen, Farben und Raumaufteilung sind im Kleinen bereits angelegt. „Man sieht im Modell sofort, wie etwas wirken soll“, sagt sie. Aus diesen Miniaturen entstehen später meterhohe Flächen und komplexe Strukturen. Schritt für Schritt wächst etwas heran, das im Zuschauerraum selbstverständlich wirkt, aber viel Handarbeit erfordert.
Pascale Piel zeichnet mit Lineal und Bleistift die verfügbare Fläche auf der Leinwand ein.
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Wie Pascale zu diesem seltenen Beruf gekommen ist? Sie erzählt von ihrem Wunsch, kreativ zu arbeiten, aber gleichzeitig etwas Greifbares herzustellen. Die Mischung aus Kunst, Handwerk und Teamarbeit zog sie sofort an. Also begann sie die Ausbildung, trotz der wenigen verfügbaren Plätze. „Ich wollte etwas machen, das lebendig bleibt“, sagt sie. „Etwas, das Menschen berührt und das auf der Bühne passiert.“
Pascale Piel steht am Waschbecken und reinigt ihre Malutensilien nach dem Arbeitstag.
Michele Scapicchio
Am Ende des Tages wischt sie ihre Pinsel aus. Auf dem Arbeitstisch liegt die fertige Vorzeichnung. In der Ecke trocknet die restaurierte Felskulisse. Pascale lächelt. Morgen arbeitet sie weiter daran, dass ein Bühnenbild entsteht, das im Theater nur einen Moment lang besteht, aber in Erinnerung bleiben soll.
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