Wirtschaft

Lebensmittel- verschwendung: ein Blick auf kreative Lösungen

Iris Wald
Patrick Fein
Lesezeit 12 Minuten
Ein Bild von Mülltonnen mit 2 beschrifteten Schildern. Restmüll und Biomüll.

Im Schnitt schmeißt jeder Deutsche pro Jahr 76 Kilogramm Lebensmittel in den Müll.

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Patrick Fein

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Jedes Jahr landen in Deutschland laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) etwa 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Rund 18 % davon entfallen auf die Außer-Haus-Verpflegung – eine Herausforderung für Restaurants, Kantinen und Großküchen, die zunehmend nach nachhaltigen Lösungen suchen.

Im Augustiner Klosterwirt in München, wo täglich bis zu 1200 Gäste bewirtet werden, spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Laut Küchenchef Pero Veselcic ist gezielter und qualitativer Einkauf der Schlüssel zur Minimierung von Lebensmittelverlusten. Knochen und Gemüsereste werden beispielsweise für Soßenfonds genutzt, um Reste sinnvoll weiterzuverarbeiten. Gleichzeitig kooperiert der Klosterwirt eng mit regionalen Lieferanten, um überschüssige Produkte kreativ zu verwerten – etwa durch die Zubereitung von Tomatenessenz aus überreifen Tomaten.

Die Community Kitchen in Neuperlach setzt auf einen anderen Ansatz. Mit einem Team aus festen Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen rettet sie wöchentlich rund 20 Tonnen Lebensmittel, die andernfalls entsorgt würden. Natalie Gath, Leiterin für Media and Communication der Community Kitchen, erklärt, dass Lebensmittelverschwendung oft durch komplexe Lieferketten und Überproduktionen entstehe. Derzeit rettet die Community Kitchen, zusammen mit ihren Partnern, in München etwa 10 % der Lebensmittel, die täglich in München weggeworfen werden – ein Zeichen dafür, dass das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Besonders bemerkenswert ist das soziale Engagement der Community Kitchen. Mit einem günstigen Senior*innen-Menü fördert sie Gemeinschaft und bietet billige Mahlzeiten an. Harry Schwarz, ein Gast der Initiative, sagt dazu: „Hier geht es nicht nur um das Essen, sondern um das Miteinander. Niemand bleibt allein.“

Die Zukunft der Community Kitchen steht jedoch vor einer großen Herausforderung: Aufgrund der Räumung der bisherigen Gebäude muss der Betrieb vorübergehend eingestellt werden. Bis neue, geeignete Räumlichkeiten gefunden sind, steht das Projekt der Lebensmittelrettung ersteinmal still. Dies zeigt, wie fragil selbst gut funktionierende Initiativen angesichts externer Faktoren sein können.

Rechtliche Vorgaben stellen eine zusätzliche Herausforderung dar: Speisen, die bereits den Tisch eines Gastes erreicht haben, dürfen aus rechtlichen Gründen nicht weiterverwendet werden. Trotz solcher Einschränkungen zeigen Beispiele wie der Klosterwirt und die Community Kitchen, wie durch kreative Ansätze Lebensmittelabfälle reduziert und gleichzeitig positive Effekte für den Klimaschutz erzielt werden können.

Die Vision ist klar: Weniger Verschwendung und ein bewussterer Umgang mit Ressourcen. Diese Ansätze könnten Vorbilder für eine nachhaltigere Zukunft sein und gleichzeitig die Dringlichkeit verdeutlichen, Projekte wie die Community Kitchen langfristig zu unterstützen und zu sichern.

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Iris Wald
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